Geschichte

Impressionen der ersten Stunde - Nur Spinner glauben daran -

Also packen wir's an ...

Tag 1-3 des Bauprojekts

Durch das fette, alte, winddurchlässige Haus - einst ein Handels-haus für Sperrholz, und in den 2 letzten Jahrzehnten das Domizil der Hassler AG (Bodenbeläge) - dröhnen schwere Schuhe. Der alters-schwache Lift führt nur abwärts. Also ist Schlepparbeit angesagt. Werkzeug und Baumaterial stapeln sich nach und nach im hinter-sten Raum des ersten Stockes. Das Baumaterial ist irgendwie komisch - etwas unkonventionell...

Tatsächlich handelt es sich bei näherem Hinsehen um Bausteine aus Lehm und Kork. Diese werden in der Kulturfabrik Zollikofen von Hand hergestellt. (www.korkundlehm.ch)

Integriert in die Idee des Workshophausprojekts, ist nämlich gleichzeitig auch ein Projekt für die Isolation der Gebäudehülle mit rein ökologischen Materialien. Damit wird ein angenehmes, atmungsaktives Klima im Haus erreicht. Vollumfänglich kann dies nicht gelingen, aber in Teilbereichen und etappenweise kann sicherlich einiges verbessert werden. Hier zuhinterst im Haus siehts ziemlich öd und finster aus. Da müsste mal etwas Licht rein. Also erstmal runter mit den Pavafloorplatten.


Schnell habe ich entschieden, dass die aufgerissenen Löcher nicht mehr neu verschlossen werden. Fenster müssen rein um dem Raum die Düsternis zu nehmen. Also "Pfludi"  anrühren und los gehts mit dem ersten Stein. 

... und vorne an der Fensterfront gehts Stein um Stein aufwärts. Die Sonne wärmt mir durch die Glasziegel das Gesicht. Ein guter Tag.

 

 

Im hinteren Bereich des Raumes tut sich auch etwas. Moritz Stäubli taucht auf und sagt: "Habe etwas vom Projekt gelesen und habe Zeit und Lust, etwas zum Gelingen beizutragen". Sprachs und nahm Werkzeug in die Hände.

 

 

"Das isch so ne megakuule guete Typ. Chunnt derhär,  seit tschou, packt a, wie wenn's ds normalschte uf dr Wält wär!!" Merci Moritz

 

Seither bewegt sich der Raum stündlich, erhält schneller einen ersten Anflug von Cachet. Wen wunderts - es sind ja nun auch vier Hände im Spiel. 

 

 


Tag 4-7

Endlich alles ausgeräumt. Oder doch nicht? Kann nicht vielleicht der eine oder andere Balken doch noch entfernt werden, weil er nicht wirklich ein tragendes Element, sondern vielmehr Zeuge vergangener Raumeinteilungen ist? Dafür den einen da noch einmitten vor die unvermittelt hinter unschönen Brettern aufgetauchten Backsteinwand...

 

 

 

 

Schlussendlich ist doch alles ausgeweidet, und der Raum als Ganzes schält sich allmählich aus seiner tristen Hülle. Sandro legt sich für einige Stunden ins Zeug - herzhaft danke Sandro


Moritz zelebriert die erste Uebung seines nächsten Workshops hier im Workshop-haus. Als schwindelfreier Akrobat hat er natürlich keine Probleme, solche Dinge gleich in luftiger Höhe, unangeseilt zu proben  ;-)

 

 

Soweit eigentlich alles im grünen Bereich. Es gibt so dermassen viel zu tun, dass Eile momentan wohl der schlechteste aller Ratgeber sein dürfte. Step by step muss es heissen, ganz besonders wenn mit Lehm gebaut wird - denn Lehm lässt sich nicht drängen. Lehm nimmt sich seine Zeit. 

Blick durch eine zukünftige Eingangspforte auf die Laube.

 


Wie funktioniert das eigentlich mit diesen seltsamen Lehmsteinen, dem Kork und so - möchtest du vielleicht wissen. Nun, komm einfach mal vorbei, dann zeige ich dir den Aufbau einer solchen Mauer oder Wand. Ansonsten sieht die Reihenfolge etwa so aus: Aussenstein, Korkgranulat aus Korkzapfen, Konstruktionsholz, Innenstein. Der innere Stein wiegt am schwersten, weil sein Lehmanteil hoch ist. Seine Aufgabe ist es, bereits vorhandene Wärme im Raum zu speichern. Er reagiert am schnellsten auf Feuchtigkeit, kann am meisten davon aufnehmen, und bei Bedarf träge wieder abgeben. Er sorgt also für den Klimahaushalt im Raum, für gleichbleibende Luftfeuchtigkeit - Wohlfühlräume.

SAMMELT KORKZAPFEN - BRINGT ODER SCHICKT SIE MIR!

mehr auf www.korkundlehm.ch

Manchmal fügen sich Dinge zusammen, die nicht zu erklären sind:

Nach Jahren (JAAAHRENNN!) steht unvermittelt Albin vor mir; just zum Zeitpunkt, wo ich für sagenhafte 100 Stutz ganze 140m2 Laminat ersteigert habe, aber nicht wirklich weiss, wie ich diese "Bretter" auf den Boden bringe - fachgerecht, innert nützlicher Frist und bezahlbar natürlich. Wohlverstanden, ich rede hier nicht von Klicklami-nat, der genialen Erfindung für Doppellinks-händereigenheimbodenselfmadeverleger. Das Laminat muss verleimt werden! Old-fashion-Boden eben.

Albin findet, das Projekt mache ihm Spass, und er habe etwas freie Zeit.

 

 

...und Albin war lange Jahre professioneller Bodenleger...

Den Göttern seis getrommelt! Merci Albin!


Die Laube - zur Zeit Dreh- und Angelpunkt für das Handwerk. Später hoffentlich ein lauschiger Ort um einen Kaffee zu trinken, bevor wieder in die Tasten, die Saiten oder zum Pinsel gegriffen wird.

 

 

 

 

Hinter der Baustelle; oh, da siehts schon ganz knuddelig aus. Der Laden ist seit dem 10.Mai wieder offen. Die hellen Fussspuren auf dem dunklen Teppich führen - jawohl ganz richtig - zur Baustelle im hinteren Teil des Hauses. Ich weiss jetzt auch auswendig, wie ein Staubsauger funktioniert! Was hier noch fehlt sind Besucherfauteuils und eine Kaffeemaschine. Ausserdem muss dringend noch die Rock Ola wieder auf 45 Touren getrimmt werden. Ich arbeite dran ..

Vinylsingles aus den 60er und 70er Jahren werden erfürchtig dankend entgegengenommen.

 

 


... und schon ist wieder willkommene Hilfe eingetroffen. Dänu steht auf der Schwelle, versteht was von Strom, auf die Professionelle. Seltsam, irgendwie wollen alle immer auf die Leiter, dabei ist die sowas von nicht-suva-konform.

Wenn ich aber sehe, dass Kabelschächte und Rohre verlegen ebenso schnell geht wie 6 Saiten bei einer Gitarre aufziehen, dann muss die Leiter irgendwie eine Nebenrolle spielen. Danke Dänu

Ich selber switche heute Samstag, am Tag wo in Bern alles rennt und es wohl deshalb endlich wiedereinmal halbwegs regnet, zwischen Kundenberatung vorne und Lehmwandmauern hinten hin und her - in meinen allerbesten "Sonntagshosen" natürlich. Ziemlich schnell ist diese Schönheit denn auch dahin, dafür die Wand bis Ladenschluss schon fast hochgezogen. Saumässig gäbig mit diesen grossen Platten.

Ach dieses wunderfitzige Lehmpülverchen - einfach schon speziell! 


Tage später ...

Nun hat mich das Projekt und die alte wunderbare Hütte doch noch temporär in den Schwitzkasten genommen. Man merkt es daran, dass ich nicht, wie eigentlich geplant, in schönen regelmässigen Abständen die Baugeschichte locker aufs Netz schmeisse. Manchmal bin ich einfach abends stinkemüde und kippe nur noch in die Koje. Es ist nicht immer ganz einfach vor einem Berg zu stehen und zu denken: Da werde ich mal drüberblicken. Aber: Jeder Stein ist EIN Stein, und solange ich den gebührend realisiere, bewege ich mich noch im grünen Bereich. Zudem wächst die Gruppe von Leuten, die sich für das Projekt interessieren zusehens. Das Haus wird besucht. Die Kunden finden die musigbörse als Geschäft allmählich wieder und freuen sich mit mir über die neuen Geister im alten Haus.

Zu zwei unwahrscheinliche Figuren in der ganzen Workshophausgeschichte sind Albin Knörr und Willi Grimm geworden. Ihr Engagement ist umwerfend und beeindruckt mich tief. Willi, einer der grossen Meister des Didgeridoos hier in der Schweiz, hat beschlossen, die Kunst des Lehmsteinmauerns zu erlernen. Mit Leib und Seele mauert er Fachwerke der Hausrückseite aus. Willi du bist klasse - als Maurer, aber noch viel mehr als Mensch. Sei umarmt.

 

 

 

 


... und bis eine Wand steht, braucht es der Steine viele (1m2 ca 33 Korklehmsteine), sowie eine rechte Portion Musse und Gelassenheit. Willi bringt beides mit.

Er beabsichtigt übrigens, seine Klangtherapie hier in einem der Workshopräume anzubieten.

 

 www.klangkeller.ch, www.naturton.ch

 

 

Auch Albin startet durch auf der Baustelle und tanzt auf allen "Brandherden". Mal mechet er erfolgreich an der Eingangstür herum, mal schraubt er mir kurzerhand die überfälligen musigbörse-Schriftzüge an die Hausfront, oder sogt dafür, dass die Baustelle als solches nicht zum Hindernislauf oder zum Wer-sucht-der-findet-doch-noch-Spiel verkommt - was einzig mir und meinem chaotischen Lebensverständnis zuzuschreiben wäre. Heute, am 11.6., fehlen vielleicht noch 4 reihen Laminat, dann ist der Boden im hinteren grossen Raum verlegt. Albin - du hast ein riesiges Herz, und täglich staune ich mindestens 1 x, dass du überhaupt da bist. Genial!

 

 


Auch ich switche zwischen Ladenbedienung, Raumkonzept, Abbrucharbeiten, Materialbeschaffung, etc. hin und her.

Gerade habe ich 130m2 Hohlboden und 200m2 Schalldämmplatten für Fr. 600.- aus einem Hausabbruch erstanden, inkl. Transport vor das Haus notabene. Grenzenloses Staunen befällt mich, wenn ich sehe, was wir Schweizer alles auf den Müll schmeissen - oft in purer Gedankenlosigkeit, weil uns das Geld offenbar aus den Hosentaschen plampet.

Die Umsetzung des Projekts mit Korklehmsteinen, die ganze Auseinandersetzung mit diesen beiden Materialien - ich war mir selber nicht sicher, ob ich dies bewältigen kann. Nun aber, wo ich sehe, dass wir es hinkriegen - ist meine Freude riesengross.

 

 

Einige Baustellenimpressionen

Es gäbe einiges zu erzählen zu den nachfolgenden Bildern. Aber die Augendeckel versagen ihren Dienst, die Tipfehler häufen sich, und die Dosis Wachhaltekaffee ist ausgereizt. Deshalb gute Nacht - ich muss pennen.

Oh, da kommt mir halb verschlafen doch noch eine Kleinigkeit in den Sinn:

Der erste Workshopraum ist betriebsbereit!

Ab Dienstag nach Pfingsten unterrichtet Michu hier seine ersten Gitarrenschüler.

Etliche weitere werden hoffentlich bald folgen, wenn:

- das letzte Büro der Vormieter geräumt ist

- der Boden im hinteren Bereich gelegt ist

- Fenster und Türen montiert sind

- die Korklehmwände hochgezogen und verputzt sind

- die letzten Stromkabel verlegt sind

 

Kommt Zeit kommt Raum ... Zeitraum, Raumzeit

 

Sticht dich der Gwunder, und möchtest du dich über den Stand der Dinge mit eigenen Augen informieren? Komm einfach vorbei. Irgendwie findet sich immer Zeit für einen Rundgang. 

 

 

31.7.2011 - Höchste Zeit, das aktuelle Hausleben wiedermal auf Vordermann zu bringen - wenn auch etwas in Kurzfassung, dafür mit reichlich Bild: ES LÄNGT EIFACH NID FÜR ALLES ...

An allen Fronten bewegt sich der Rosenweg 37. Muss er auch, denn der September folgt auf den August, und das bedeutet erste graue Herbstschwaden, kühlere Lüftlein, erste Vorboten einer Zeit, die ich nicht sonderlich liebe. 

...und die "halbe Welt" schreit nach Lehmsteinen; den  Dingern, die in diesem lausigen Sommer noch eine Extraportion Zeit beanspruchen, bis sie trocken und verbaubar sind. Aber Lehmbauer wissen: Ohne Geduld geht gar nichts - gäu Oli, Albi, Willi, Fippu, etc. Und eine gute Seite hat der Mangel an trockenen Steinen durchaus. Es bedeutet nämlich, dass wir fleissig waren, dass alles verbaut wurde, was an "Chempen" bis dato zur Verfügung stand (schulterklopf!). Und es waren nicht wenige.

 

Unterdessen ist es mir gelungen eine neue Lehmquelle zu erschliessen, die den ganzen Arbeitsprozess wesentlich zu vereinfacht. Für die Produktion der Steine - dies machen wir unterdessen auch am Rosenweg (chunsch eifach mau cho luege) - bin ich auf einen Lieferanten in der Gegend gestossen, wo ich den Lehm bereits gereinigt abholen kann. Somit fallen Abstechen und Sieben weg, und der sonnengetrocknete Lehm kann sofort durch die Pulverisierungsmühle gejagt werden. Danach nur noch Sand und allenfalls Leichtmaterial (Kork) beimischen, und fertig ist der Pfludi. Für den Putz allerdings ziehe ich immer noch den Lehm aus dem Mühlital vor, weil der so schön okerfarben ist und prima klebt.

Es gibt eine Sache, die ist halt einfach schlicht sensationell und erstaunt mich selber jeden Tag wieder: Seit die Wegräumarbeiten der Vormieter beendet wurden, benötigte diese Baustelle auch nach 2 Monaten noch immer KEINE SCHUTTMULDE. Was an "Kork-, Sägemehl- und Lehmkrümel" anfällt wird umgehend zusammengebeselt und z.B. in einer Stampflehmwand wiederverwendet. Verputzt mit Lehm entstehen so feuerfeste, atmungsaktive Wände, schön anzusehen und quasi zum Nulltarif erhältlich. Dies live zu erleben ist eindrücklich, und es geschieht mitten in der Stadt Bern.

Nebst Lehm und Kork ist weiteres günstiges Baumaterial am Rosenweg eingetroffen. Ich konnte schalldämmende Deckenplatten und Hohlboden erwerben, sowie grosse, quadratische Fenster - so richtig zum düreluege! Damit landete Baumaterial bei uns, das sofort ein neues Tummelfeld eröffnete: das Parterre - dort wo mal die Begegnunszone des Hauses, eine Bühne, vielleicht eine Art Beizli und wer-weiss-was-noch-alles beheimatet sein soll. Ich habe mich an einem Frusttag sogleich mal an die Arbeit gemacht...

Eine Sache brennt uns unter den Nägeln, und wir trommeln es allen guten Geistern, auf dass diese uns einen Schreinermeister mit seiner Werkstatt herbeizaubern, der uns GÜNSTIGSTENS 500 Laufmeter Viertelstäbe organisieren kann. WER WEISS HIER RAT?

Ein weiterer Wunsch hat mit der Zukunft zu tun - dann, wenn das Haus endgültig in Bewegung ist: Gesammelt werden Stühle, richtige Draufsitzstühle nicht Gammelobiekte, schön gemütlich, ausgefallen, stabil, schräge Modelle, um die Gäste der Begegnungszone mit inividuellem Sitzvergnügen zu beglücken.

So - das wärs für den Moment. Beizufügen wäre noch, dass Michu Gitarrenunterricht gibt und noch Schüler/Innen nimmt, dass Guss MacGregor seine neuen Songs am Rosenweg probt, damit das Baby daheim ruhig schlafen kann, dass sich div. Theaterleute gemeldet haben und einen Teil ihrer Proben hier abhalten möchten, dass eine Gruppe Maler/Innen einmal wöchentlich gemeinsam am Rosenweg malen möchten, etc.

Ja es tut sich was - ja so habe ich mir das gedacht ...